Katie Meluas viertes Studioalbum ist ab sofort im Handel erhältlich. Mit dem neuen Album spricht die talentierte Musikerin ihre alten Fans an und scheut sich auch nicht neue Töne anzuschlagen, die man ihr bisher nicht zugetraut hat.

Die Songs

In „I’d love To Kill You“ singt sie in makaberen Vergleichen, wie sie ihrem Partner behandeln würde um zu zeigen, dass sie ihn liebt. Musikalisch ist dies eine superschöne Ballade, die ganz im Gegensatz zu den krassen Texten steht.

Mit „The Flood„, das gleichzeitig eine Singleauskopplung ist, ermuntert uns Katie neue Wege einzuschlagen. Vielleicht hat man sich bisher zu sehr auf alte Gepflogenheiten verlassen und sollte etwas Neues probieren? Der Neuanfang wird im Song durch eine dynamische Dancefloor-Passage untermauert.

Mit „A Happy Place“ kommt gleich ein weiterer schöner und schneller Song daher. Katie singt atemlos davon, welchen täglichen Belastungen man im Geschäftsleben ausgesetzt ist. Da freut man sich doch, wenn man einen Zufluchtsort findet, oder? Katie hat einmal geschrieben, dass der Song eine grosse Herausforderung ist, weil sie bei diesem Song, live gesungen, kaum Pausen zum Luftholen hat.

A Moment Of Madness“ zeigt sich musikalisch im Ragtime-Stil und erinnert ein wenig an Cabarets. Der Text handelt von dem Zwiespalt der Sängerin zwischen Vernunft und Liebe hin- und hergerissen zu sein. In einem Moment der Verwirrtheit möchte sie sich schon ganz gerne hingeben…..

The House Album

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Die vielleicht schönste Ballade „Red Balloons“  hat Katie mit ihrer langjährigen Freundin Polly Scattergood geschrieben. Zu der wundervollen Melodie hören wir, dass Katie ihr gebrochenes Herz in einen Ballon stecken möchte und sieht, dass sie offensichtlich nicht die Einzige ist, da der Himmel voller roter Ballons ist. Sie hofft, dass die Ballons irgendwo in die offenen Arme von Anderen fliegt. Sehr poetisches Lied.

Einer der wohl interessantesten Songs ist „Tiny Alien„. Katie fragt sich, wie sich der kleine Fremdling in unserer Welt wohl zurechtfinden wird. Das Alien muss in diesem Fall nicht unbedingt ein Ausserirdischer sein. Der Song beginnt ganz zart, wird im Refrain aber sehr rockig. Mit diesem Song hätte sie vielleicht sogar Chancen beim GrandPrix.

In „No Fear Of Heights“ erleben wir Katie, die gesteht, dass sie früher Gefahrensituation vermieden hatte. Seit sie ihren Partner kennengelernt hat hat sie keine Angst mehr vor Höhen oder den Tiefen des Ozeans. Für die Fans der Arrangements von Mike Batt, ihrem bisherigen Produzenten, ist der Song eine willkommene Gelegenheit den Stil alter Katie Melua Songs wiederzuhören.

The One I Love Is Gone“ ist eine Ballade von Bill Munroe, die Katie bereits bei früheren Konzerten gesungen hat. Ein schönes Lied über jemanden, der seinen früheren Partner „loslassen“ soll. Trotz der schönen Melodie und des anspruchsvollen Textes wirkt dieser Song wie ein Fremdkörper auf dem Album. Aber es wird sicherlich Hörer geben, die diesen Song besonders mögen.

Der Song „Plague Of Love“ ist einer von zwei Songs, die Katie mit Rick Nowels geschrieben hat. Akustisch erinnert er an James Bond Musik, im Text verewigt Katie ihren Vater, ihre Mutter und erwähnt auch ihren Bruder. Der Vater, ein Herzchirurg, und auch die Mutter, die eine Krankenschwester ist, können Katie nicht von ihrer „Herzensangelegenheit“ heilen. Sie wurde wohl von der „Krankheit der Liebe“ niedergestreckt.

Der einzige Song, der von Mike Batt und Katie stammt heisst „God on the Drums, Devil On The Bass“ und ist musikalisch wohl die krasseste Abkehr vom Balladenstil. Mit zahlreichen Wah-Wah-Effekten und elektronischen Einwürfen wird hier das Leben in der Grossstadt geschildert, in der man sich kaum zurechtfindet wenn Gott am Schlagzeug sitzt und der Teufel den Bass dazu spielt.

Mit „Twisted“ hören wir einen Track, für den Katie mit 25 eigentlich schon ein wenig zu alt wirkt. Wie ein Teenager beschreibt sie hier, wie „verdreht“ sie ist, seit sie sich verliebt hat.

Schliesslich finden wir mit „The House“ eine weitere Ballade, die von Katies neuem Produzenten William Orbit mit allerlei Sphärenklängen angereichert ist. Im Text geht es um den Einbruch in die Privatsphäre. Ob Katie selbst in dieser Richtung schon Erfahrungen hat sei dahingestellt. Auf jeden Fall wird man nachdenklich aus dem Album entlassen.

Die Übersetzungen der Texte sind in diesem Blog ebenfalls zu finden.

Eigentlich sollte man jetzt sofort den Replay-Knopf drücken.

FAZIT

Mit den neuen Klängen und den gewohnten Balladen versucht Katie einen Drahtseilakt um ältere und jüngere Hörer zu begeistern. Ob das gelingt müssen die Albumkäufer entscheiden. Mit William Orbit als neuen Produzenten hat Katie einen Schritt in die Zukunft gemacht. Der Sound ist glasklar und deckt Katies wunderbare Stimme nicht zu. Erwartungsgemäss findet man einige elektronische Klänge, mit denen Orbit bereits Madonnas Album „Ray Of Light“ angereichert hatte.

Bei immerhin elf von zwölf Songs hat Katie den Text selbst (mit-)geschrieben, mehr als jemals zuvor.  Dabei sind einige Songs sehr autobiografisch angehaucht. In wieweit es auch auf die „verrückten“ Texte in „Twisted“ oder „Moment Of Madness“ zutrifft kann man nicht beurteilen.

Die Zusammenarbeit mit Robbie Williams Komponisten Guy Chambers, Rick Nowels, Lauren Christy und Mike Batt hat sich gelohnt, da man nun Harmoniefolgen findet, die man bisher nicht hören konnte. Von Lauren Christy stammt beispielsweise die orientalische Hookline, die dann von Guy Chambers zum musikalischen Gesamtwerk zusammengefasst wurde.

Auf jeden Fall zeigt die erste Singleauskopplung sehr schön Katies Willen sich zu verändern und musikalisch neue Wege zu gehen. „The Flood“ wird im deutschen Fernsehen zum ersten Mal in Götz Alsmanns „Nachtmusik“ am Pfingstmontag zu hören sein.

Das Album und die (physikalische) Single sind ab dem 21.Mai 2010 im Handel. Ausserdem gibt es von „The Flood“ eine Single, die Remixes von Danny Kirsch, Jakwob und Michael Wood enthält.