Als im Jahr 1977 der Film „Krieg der Sterne“ eine neue Ära des Geldverdienens eingeleitet hatte fühlten sich viele Filmemacher berufen ihren eigenen Beitrag zum Thema ScienceFiction und Fantasy beizutragen. Einige Studios produzierten durchaus gute Filme. Andere Studios hatten nicht soviel Geld und versuchten mit eher traditionellen Tricks auf der SciFi-Welle mitzuschwimmen. Ein durchaus sehenswerter Trash-Film ist dabei die italienische Produktion „Starcrash“.Starcrash_150Bevor ein Aufschrei durch die Gemeinde geht, wieso ich diesen Schund so gerne sehe: Es gibt einige Faktoren, die dem Film durchaus sehenswert machen. Diese will ich hier gleich aufzählen.

Der Film erschien am 21.Dezember 1978 und ich ließ mich gerne auf den neuen SciFi-Boom ein. Der Film war natürlich keine Offenbarung. Immerhin spielte die Schauspielerin Caroline Munro mit und die gefällt mir eigentlich in jedem Film. Nichtsdestotrotz fielen meinem Bruder und mir gleich die billig produzierten Weltraumeffekte auf. Trotzdem hatte der Film seinen Reiz. Und der hatte lange Beine und trug knappe Bikinis….

Worum geht es in StarCrash?

Starcrash_DeutschDer Film orientiert sich eher an den alten Flash Gordon Filmen und zeigt uns in ArtDeco-Kulissen einen Superbösewicht, der natürlich mal wieder nichts anderes zu tun hat als eine Superwaffe zu entwickeln und das gute Imperium an sich zu reißen. Eine wunderschöne Abenteuerin namens Stella Star und ihr Begleiter Akton sollen diesen Mann nun auffinden und seiner Strafe zuführen. Bis dahin gibt es eine Reihe von Abenteuern zu bestehen, die an die alten Serials der 30er Jahre des 20ten Jahrhunderts erinnern.

Der im Fahrwasser von „Krieg der Sterne“ entstandene Film wurde von Lewis Coates (Pseudonym von Luigi Cozzi) inszeniert und greift auf teilweise sehr bekannte Hauptdarsteller zurück. Zum Beispiel spielt Christopher Plummer den guten Imperator. Sein Sohn wird von dem, damals noch unbekannten, Schauspieler David Hasselhoff verkörpert. Der Böse „Zarth Arn“ (klingt gesprochen wie „Satan“) wird von Joe Spinell gespielt. Ein italienischstämmiger Schauspieler, der vor allem durch seinen Film „Maniac“ bekannt wurde.

Das Eyecandy, und damit der Hauptgrund sich den Film anzuschauen, ist zweifellos die wunderschöne Caroline Munro, die in ihren knappen Klamotten sehr an Barbarella erinnert und von einer bedrohlichen Szene in die nächstse stolpert. Ihr Begleiter Akton wird von Marjoe Gortner gespielt.

Die Produktionsfirma ließ sich auch nicht lumpen und engagierte Komponist John Barry, dessen unverwechselbarer Sound dem Filme eine unerwartete Qualität gibt. Der Soundtrack ist irgendwo zwischen modern und klassisch angesiedelt und erinnert an Barrys Bondzeiten. Der Soundtrack war ein sehr gesuchtes Sammlerstück.

Warum sollte man sich diesen Film also anschauen?

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Caroline Munro und Robert Tessier

Erstens: Caroline Munro.

Die Schauspielerin habe ich bereits in „Der sechste Kontinent“ sehr gemocht und auch in „Dracula jagt Mini-Mädchen“ und „Doctor Phibes“ hatte sie eine unglaubliche Ausstrahlung. Auch wenn die visuellen Effekte des Filmes manchmal zu wünschen übrig lassen, so entschädigt der Blick in das Dekollete der Weltraumamazone doch gleich wieder (sorry an die weiblichen Leser).

Zweitens: Die Weltraum-Effekte

Ja, die Effekte sind sehr trashig und der Weltraum ist knallbunt und die Modelle sehen aus, als hätte man wahllos irgendwelche Einzelteile aus Revell-Baukästen zusammengeklebt (was ja auch richtig ist). Aber genau das ist eben auch unfreiwillig komisch. Wenn in der Einleitungsszene ein Raumschiff vorübergleitet kann man sogar deutlich die untere Hälfte eines „Adlers“ aus „Mondbasis Alpha“ erkennen. Die Schiffe sind also irgendwie wie ein Suchbild: Aus welchen Einzelteilen besteht dieses Raumschiff?

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Caroline und David Hasselhoff

Drittens: David Hasselhoff

Der arme Junge durfte hier seine ersten Gehversuche im Kino machen. Schon damals trug er Föhnlocken wie man sie heute nur noch bei Atze Schröder sieht. Aber immerhin darf er auch ein paar Sätze sagen und ansonsten bedeutsam in der Gegend herumstehen. Das ist so unfreiwillig komisch, dass es schon fast wieder traurig ist.

Viertens: Christopher Plummer

Der Imperator, sprich der Schauspieler, hat schon mal bessere Tage erlebt. In „Spion zwischen den Fronten“, „Luftschlacht um England“ und „Rückkehr des rosaroten Panthers“ war er schon zu sehen. Doch was er hier abliefert bzw. abliefern muss, erinnert eher an einen Tagesschausprecher als an einen Schauspieler. Besonders am Ende darf er noch einen schwülstigen Monolog von sich geben, der mit „Das ist das Ende, es ist vorbei.“ schließt. Eigentlich fehlte nur noch die Ankündigung für die Wettervorhersage, aber da kommt dann stattdessen der Abspann. Wenigstens war dies für Plummer nicht das Karriereende.

Fünftens: Roboter Elle

Ja, es ist natürlich ein Roboter dabei! In den Siebziger Jahren gehörten Roboter in jeden Science Fiction Film. Dieser hier hatte sogar noch ein paar lustige Sprüche drauf. Als er z.B. eine große Weltraumstadt durchs All schippert sagt er „Ich bin noch nie eine Stadt geflogen.“  Der Roboter ist zwar schwarz, aber seit der neuen Robocop-Verfilmung wissen wir ja, dass das cooler ist.

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Aus der Resteverwertung: Raumschiffe

Sechstens: Der Look

Ich habe es Eingangs erwähnt: Die Effekte können natürlich nicht mit „Krieg der Sterne“ mithalten. Dafür ist der Look aber auch sehr auf Artdeco getrimmt und erinnert daher auch in den Uniform der „Bösen“ sehr an die alten Kino-Serials. Menschliche Torpedos haben die typischen „Stabilisierungsfinnen“ und die Fenster sind auch typisch geformt. Es wird nicht mit Explosionen gegeizt. Bei den Lasergefechten sehen die Körpertreffer wegen der verwendeten Explosivladungen für die Stuntmen ziehmlich gefährlich aus. Und auch der Joe Spinell muss mitten durch die Feuerkaskaden laufen. Ganz schön mutig, der italienische Produzent.

Siebtens: Caroline Munro

Ahem… hatte ich zwar schon, aber man kann gar nicht genug betonen wie attraktiv die Lady auch in „brenzligen“ Situationen ist.

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Tricks a la Harryhausen

Achtens: Die „anderen“ Spezialeffekte

Eins muss man der Produktion lassen: Auch wenn es heutzutage alles sehr billig wirkt, so hat man dennoch versucht ein paar aufwändige Effekte zu produzieren. In Anlehnung an alte Filme mit Ray Harryhausen Animationen erleben wir im Film einen Schwertkampf mit Robotern, die an die Skelette von „Jason und die Argonauten“ erinnern. Außerdem wacht eine riesige animierte Roboterdame mit ihrem Schwert auf Stella Star. Und David Hasselhoff darf auch schon mal ein Laserschwert schwingen. Mit einer Maske und lasersprühenden Augen erinnert er ein wenig an „Zardoz“. Und sogar ein Kopfwesen mit Tentakeln wartet in einer Kuppel auf Besucher (ähnlich wie im alten Film „Invasion vom Mars“ von 1953)

Fazit:

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Liebe in Pellucida – Caroline und Doug McClure

Der Film ist natürlich Schrott und wenn man etwas hochwertiges wie Starwars erwartet wird man enttäuscht. Damals, 1978, füllte der Film allerdings eine schöne Lücke. Damals war auch noch nicht klar, ob es jemals eine Fortsetzung zu „Krieg der Sterne“ geben würde. Und deshalb bin ich als 18jähriger sehr gerne auch in die anderen Trendwhore-Filme gegangen. Es gab ja noch andere Filme, die eilig auf der ganzen Welt produziert wurden. Manche waren so schlecht, dass man sie lieber nicht noch einmal sehen möchte. Einige haben jedoch immerhin einen Eindruck hinterlassen. Und dazu zählt zweifellos „StarCrash“. Nicht zuletzt wegen der attraktiven Hauptdarstellerin, die mich so sehr in „Der sechste Kontinent“ begeisterte (Bild rechts). Sagte ich schon, dass ich Caroline Munro damals sehr gerne sah?

In James Bond „Der Spion, der mich liebte“ wurde sie ja leider von einem untergetauchten, weißen Lotus Esprit samt Hubschrauber in die Luft gesprengt…. Blöder Roger Moore. Das verzeihe ich Dir nie!

Der Trailer

Und jetzt, zum Abschluss, der offizielle Filmtrailer mit viel Weltraumaction und Caroline Munro.

P.S.: Lewis Coates versuchte sich Jahre später mit demselben Look an „Herkules“ mit Lou Ferrigno als der erste Conan-Film in die Kinos kam. Damit konnte er aber auch mich nicht überzeugen.