In der Rubrik „Meine Lieblinge“ darf dieser Film nicht fehlen und deshalb ist es der erste Eintrag in meiner Kinokritik-Liste.
Was die jugendlichen Leser von heute kaum noch erahnen können ist der Mega-Impact, den dieser Film im Kino hatte. Ich war ja schon immer Fan von fantastischen Filmen und konnte mich schon früher an Filmen wie „Schlacht um den Planet der Affen“ oder „2001 – Odyssee im Weltraum“ im Kino erfreuen. Letzterer beeindruckte vor allem durch die realistische Darstellung des Weltraums. Besonders auf einer Großbildleinwand war dieser Film ein einziges opulentes Werk. flash-gordon_250Weltraumfilme waren in den Siebziger Jahren (meine Kinogängerzeit) sehr dünn gesät. Wenn es Fantastisches zu sehen gab, dann waren es Monsterfilme aus Japan (Godzilla & Co.) oder aus England („Caprona“ und „Gorgo“). Oder auch „King Kong“ aus Amerika. Wenn man Weltraumszenen inszenierte wurden damals meist Modelle an Drähten aufgehängt und durch die Kulisse bewegt. Das war damals OK, beeindruckte aber weniger. Immerhin gab es diese Technik schon in der Frühzeit des Kinos als noch „Flash Gordon“ und „Buck Rogers“ gezeigt wurden.

Neue Optik

1977 wurde jedoch zu einem denkwürdigen Jahr. Die Tricktechnik, die das Team von George Lucas entwickelt hatte, war revolutionär. Kein anderer Film nutzte programmierte Roboterarme um eine Kamera zu führen. Niemals zuvor waren Luftkämpfe so aufwändig produziert worden wie bei „Krieg der Sterne“.

Und so war es kein Wunder, dass sich die Presse überschlug, als der Film am 25.Mai 1977 in USA uraufgeführt wurde. Ich nahm den Film das erste Mal wahr als es in der Bravo einen Artikel darüber gab. Der Film wurde dort als DIE Sensation gepriesen und neben Bildern der Protagonisten gab es ein großes Bild eines Sturmtrupplers auf einem saurierartigen Reittier (das in der entsprechenden Filmszene nur ganz klein im Hintergrund zu sehen war).

Auf jeden Fall war mein Interesse geweckt, weil sich Weltraumfilme im Kino so rar gemacht hatten und ich eigentlich nur „Raumpatrouille“, „Raumschiff Enterprise“ und „UFO“ aus dem Fernsehen kannte. Umso überraschter war ich als ich, als Soundtracksammler, bereits im Herbst eine Doppel-LP von der „Deutschen Grammophon“ kaufen konnte. Die Plattenfirma ist ja wegen ihrer hochwertigen Klassikveröffentlichungen bekannt. Und auch diese Vinyl-Platte geizte nicht mit Superlativen.
Das Cover war sehr edel gestaltet, mit Hochglanzbeschichtung und einem Zusatzblatt ausgestattet, auf dem man Titel für Titel erklärt bekam, was dort im Film geschieht. Die Musik von John Williams war einfach nur genial. Heroische Märsche, romantische Motive und natürlich aufregende Actionmusik. Selbst ohne etwas vom Film gesehen zu haben fühlte ich mich schon in eine andere Welt versetzt und brannte darauf den Film endlich sehen zu können.

Kulturschock

KriegDerSternePosterLeider war der Starttermin in Deutschland erst am 9.Februar 1978 und bis dahin wurde immer wieder über das Phänomen berichtet. Dass es sich bei „Krieg der Sterne“ um etwas Besonderes handeln musste konnte man auch an der restlichen Popkultur sehen. Eine junge Künstlerin namens Sarah Brightman veröffentlichte die Single „I lost my heart to a starship trooper“. Und eine Popformation namens „MECO“ brachte das musikalische Thema des Films in den damals aufflammenden Disco-Sound. Nach der Filmpremiere sang sogar der Deutsche Michael Schanze, flankiert von einem kleinen Roboter, „Schalt mal Dein Herz auf Empfang“.

Und die Filmpremiere in Deutschland hatte es auch in sich. Die Medien hatten inzwischen einen solchen Hype veranstaltet dass sich, wie in Amerika, lange Schlangen vor den Kinos bildeten. Ich konnte damals nicht am Donnerstag, dem Starttermin, ins Kino gehen weil unsere Schulklasse genau an diesem Tag eine Veranstaltung in der hamburgischen Staatsoper geplant hatte. Statt „Krieg der Sterne“ gab es dort Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“. Doch am Sonntag war es dann soweit. Mein Vater lud meinen Bruder und mich in seinen Opel und fuhr mit uns zum Grindelkino.

Kino – damals noch ein Erlebnis

Damals, 1978, waren viele Kinos noch nicht zu Multiplexkinos umgebaut worden. Das Grindel war ein Erstaufführungstheater, das in der Hamburger Kinoszene bekannt für die Breitwandfilme war. Als wir die Grindelallee entlangfuhren, um nach einen Parkplatz zu suchen, trauten wir kaum unseren Augen. Die Menschenschlange, die sich für die 14:00 Uhr-Vorstellung anstellte, ging aus dem Kino heraus und führte noch etwas hundert Meter am Gebäude entlang! Sowas hatten wir noch nie gesehen.

MecoStarwars_250Nachdem wir unser Auto sicher abgestellt hatten mussten wir an der Schlange vorbei. Aber direkt am Eingang wurden wir plötzlich von Jemanden angesprochen. „Na? Wollt Ihr auch ins Kino?“. Unser Nachbar! Und er war so nett und hat uns drei Karten gekauft. Während wir in der Schalternähe warteten sahen wir auch kurz danach das Schild „14:00 Uhr Vorstellung ausverkauft“ aufflammen. Glück gehabt.

Das Kino war natürlich proppenvoll. Wenn ich mich recht entsinne hatte man sogar noch Klappstühle in die Gänge gestellt. Der Raum brodelte in Erwartung der Dinge, die da kommen würden. Es dauerte zwar noch bis die Werbung endlich vorbei war, aber als der Film endlich anfing gab es frenetischen Beifall, der sofort verstummte als der damals „neue“ Titelvorspann begann.

Übrigens muss ich an dieser Stelle gleich einflechten, dass der inzwischen berühmte perspektivische Text vor jedem Film der Reihe keineswegs „neu“ ist. George Lucas hat sich an den alten „Flash Gordon“-Filmen orientiert, in denen es einen ähnlichen Lauftext gab.

Das Vermächtnis

Ich darf es nochmal betonen: Die Effekte dieses Filmes waren absolut bahnbrechend und als zunächst das Schiff der fliehenden Prinzessin Leia und dann der riesige Sternenzerstörer durch das Bild flogen hielten die Zuschauer den Atem an. Etwas Ähnliches gab es eigentlich nur in „2001“ als die „DISCOVERY“ eingeführt wurde. Auf der Großbildleinwand war dies ein Fest und ich bedauere die jungen Menschen von heute, die „Krieg der Sterne“ nur von kleinen Fernsehschirmen kennen. Auch neu war damals der Dolby-Stereoton, der hier erstmals richtig zur Geltung kam.

Der Rest ist Geschichte.

Unheimliche BegegnungEines möchte ich zum Abschluss noch feststellen: Nachdem der Film die Spezialeffekte revolutionierte kam eine ganze Welle von SciFi Filmen in die Kinos. Viele waren traditionell gefertig, andere versuchten die automatisierten Bewegungsabläufe von StarWars zu imitieren. Es gab eine Menge Trash aus Italien („Star Crash“ oder „Kampf um die 5te Galaxis“), aber auch bemerkenswerte „Abstauber“ wie „ALIEN“. Die Vorlage zu diesem Film lag unter dem Titel „Deathbeast“ in der Schublade von 20th Century Fox und wurde nur aufgrund des Erfolges hervorgekramt.

Für mich, als SciFi Fan war es natürlich ein Fest, dass man auf einmal wieder visuell beeindruckende Filme im Kino schauen konnte. Und auch das deutsche Fernsehen besann sich auf fantastische Filme. Im Laufe eines Jahres strahlte die ARD 30 fantastische Filme aus, die mit einem speziell gestalteten Vorspann eingeleitet wurden. Das Kunstbuch, aus dem die ARD damals die Bilder abfilmte, konnte ich 1979 in England kaufen. Die fantastische Einleitung wurde von Giorgio Moroder geliefert (die Intro von Donna Summers „I feel love“).

Wenn man sich heute im Kino bei Eventfilmen mit Spezialeffekten zudröhnen lässt dann sollte man Eines nicht vergessen: Ohne „Krieg der Sterne“ bzw. George Lucas Firma „Industrial Light And Magic“ hätte es diesen Boom so schnell nicht gegeben.

Und zum Schluss: Eine Woche nach der Filmpremiere von „Krieg der Sterne“ gab es in Deutschland noch ein zweites „Muss“ für Fans des fantastischen Films: Steven Spielbergs tollem UFO-Thriller „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, der ebenfalls mit außergewöhnlich guten Effekten ausgestattet war. Lucas und Spielberg haben die Kinowelt revolutioniert und ich sehe mir ihre frühen Filme immer wieder gerne an.

StarwarsPoster_250Dieses Plakatmotiv habe ich noch immer in meinem Zimmer. Schön eingerahmt und immer im Blickfeld. Denn dieser Film hat nicht nur mein Leben verändert sondern auch unsere Sehgewohnheiten von früher komplett auf den Kopf gestellt.

Ich bezweifele sehr stark, dass jemals einem Kinofilm noch gelingen wird einen solch starken Einfluss auf die Popkultur zu nehmen.