Ich habe bereits berichtet, dass ich mich für fantastische Stoffe begeistern kann. Nicht nur in Buchform oder als Kinofilm, sondern auch in Form von TV-Serien, die zumeist über den großen Teich zu uns herüberschwappen. Hierzulande sind fantastische Stoffe Mangelware und wenn sie überhaupt realisiert werden, dann als Comedy-Produkte. Sat1 produziert ab und zu ganz ansehnliche Familienfilme, bei denen auch die Fantastik nicht zu kurz kommt (als Beispiel: „Im Spessart sind die Geister los“ etc.). Trotzdem würde ich mir natürlich gerne „ernstgemeinte“ SciFi wünschen.

Leider waren Scifi-Serien in den 70er-Jahren sehr dünn gesät, insbesondere im deutschen Fernsehen. Etwas Fantastik kam immerhin dank Emma Peel und John Steed auf – und man verwöhnte uns auch mit den britischen Erfolgsserien von Gerry & Sylvia Anderson „Thunderbirds“, „Ufo“ und schließlich „Mondbasis Alpha“. Die Post ging allerdings erst ab als im Kino ein Film namens „Krieg der Sterne“ große Erfolge feierte. Plötzlich war SciFi wieder salonfähig wenngleich es damals nur drei Programme gab. Allerdings gab es auch eine deutsch/englische Koproduktion namens „Das Mädchen aus dem Weltraum“, die mich zumindest kurzfristig unterhalten konnte. Erst mit dem Aufkommen des Privatfernsehens 1984 gelangten schließlich mehr fantastische Stoffe auf deutsche Mattscheiben.

Was die Serien damals auszeichnete waren die sehr charmanten Hauptfiguren und eine glänzende Chemie zwischen den einzelnen Akteuren. Heutzutage wird leider allzu sehr auf Beziehungskisten und Eifersuchtsdramen abgezielt. Deshalb mag ich auch die alte Serie „Kampfstern Galactica“ mit Richard Hatch, Dirk Benedict und Lorne Greene lieber als die neue Fassung „Battlestar Galactica“ mit Jamie Bamber und John Almos. In letzterer wird ständig gestritten, der Testosteronspiegel angeheizt und die Charaktere zu Verrätern umgestylt.

babylon5Es ist schon witzig, aber die Serien, die nun aus den Staaten kamen wurden zunehmend unschöner. Hatte man bei „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ noch ein harmonisches Team gezeigt, war bereits in der Ablegerserie „Deepspace Nine“ fast ständig eine unterschwellige Spannung zwischen den Figuren zu spüren. Auch wenn man sagen könnte: Das liegt ja am Thema, wo man es mit Außerirdischen und deren politischen Spannungen zu tun hat. Aber eine andere Serie, die ein ähnliches Thema hatte – eine Raumstation in einem neutralen Sektor – nämlich „Babylon 5“, bewies, dass man auch Spannung erzeugen kann indem man charmante Charaktere mit guten Dialogen ausstattet.

Seit den neunziger Jahren gibt es ständig neue fantastische Serien, die meistens auch im deutschen Fernsehen gezeigt werden. Dabei erreichen die Serien mehr und mehr Kinoniveau wenn es um die Ausstattung geht. Die visuellen Effekte werden immer besser, die Alienmasken immer überzeugender und auch die Kulissen sehen nicht mehr nach Pappmaché aus sondern machen einen soliden Eindruck. Was die Drehbücher betrifft kann man allerdings sagen, dass man sich manchmal wundert wofür die Verantwortlichen ein paar Millönchen locker machen.

Man muss den Autoren natürlich zugute halten, dass es schwer ist Neues zu erfinden. Und so gibt es halt Klischés, die sich ständig wiederholen und manchmal hat man den Eindruck, dass ein Drehbuch, das in Serie A abgelehnt wurde, nun in Serie B verwendet wurde. Das alte Zitat „Die Namen wurden geändert um Unschuldige zu schützen“ kommt mir in den Sinn. Die Frage ist natürlich, wie Drehbücher überhaupt entstehen und was das für eine Serie ist.

Eine Serie, die einfach nur jede Woche eine Bedrohung abhandelt, kann natürlich Handlungsentwürfe beliebig zusammenkaufen. Schwieriger wird es wenn eine Serie von Grund auf durchkonstruiert wird. In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf „Babylon 5“ hingewiesen. Der Autor J. Michael Straczinski hat das Konzept für die Serie für fünf Staffeln entworfen und quasi im Alleingang die meisten der Drehbücher selbst geschrieben. Man merkt der Serie an, dass alles aus einem Guss ist und der Autor seine Figuren perfekt ausgearbeitet hat.

Im Vergleich dazu war „Deepspace Nine“ eindeutig ein Produkt von mehreren Autoren. Durchgängige Stories zu erzählen war damals nicht üblich und eigentlich ist es „Babylon5“ zu verdanken, dass sogenannte Procedurals überhaupt wieder eingeführt wurden. Der Vorteil: Die Zuschauer schalten von Woche zu Woche wieder ein um zu wissen, wie es weitergeht. Der Nachteil: Wenn man mittendrin einsteigt – oder pausiert – findet man schlecht (wieder) hinein. Da hilft es wenn es in der Serie eingestreute Folgen gibt, die ohne Kenntnis der Serie funktionieren. „Babylon5“ lebte aber vor allem von seinen Charakteren und kehrte ein Prinzip um, das heute leider zu häufig in Serien vorkommt.

LondoGKarIn heutigen Serien werden sehr oft Gruppen von Figuren eingeführt, die scheinbar miteinander harmonisieren. Sobald man sich an die Charaktere gewöhnt und ins Herz geschlossen hat, kommt der Hammer! Sie entpuppen sich als Kriminelle, Verräter oder Terroristen. Was anders bei „Babylon5“ war, war die Grundsituation, dass man zunächst annahm, man könnte manchen Charakteren nicht trauen. Londo Mollari, Botschafter von Alpha Centauri, oder G’Kar, ein Narn, wurden zunächst als bedrohlich eingestuft. Im Laufe der Serie stellt sich jedoch heraus, dass sie zwar alle ihre Ziele verfolgen, sich letzlich aber als Verbündete erweisen. Und so kann man sich auch mit diesen Personen identifizieren, ja man leidet gewissermaßen mit wenn sie durch fiese Aliens zu Gräueltaten gezwungen werden.

Und so schaue ich häufig aktuelle Serien und denke mir: Soll ich mit diesen Typen sympathisieren? Das Problem ist, dass die Hauptfiguren schon bereits als Täter eingeführt werden und aus verschiedensten Gründen straffällig werden. Als Zuschauer soll man nun mitfiebern, ob der Betreffende geschnappt wird oder wie er sich mal wieder herauslavieren kann. Da eine Serie aber über mehrere Staffeln gehen soll kann man sich denken, dass diese Personen immer wieder um die Strafe herumkommen.

BreakingBadStaffelNehmen wir „Breaking Bad“. Der Titel sagt es: Aus jemanden bricht das Böse hervor. Walter White ist angeblich krebskrank und will seine Behandlung finanzieren indem er Drogen kocht und verkauft. Als sich seine Diagnose als falsch herausstellt macht er dennoch weiter, aber ist schon zu tief in die Kriminalität abgeglitten um aufzuhören. Ich habe zwar anfangs noch mit Walter mitgefühlt, und auch seine Probleme mit der Drogenmafia und der Polizei. Aber irgendwie widerstrebt es mir, mit einen solchen Straftäter zu sympathisieren.

Ein anderes Beispiel ist „Dexter“. Auch eine hochgelobte Serie um einen Serienmörder, der als Forensiker seine eigenen Tatorte analysieren muss und die Spuren von sich ablenken kann. Auch hier habe ich zwei Staffeln verfolgt und mein Gerechtigkeitssinn und der Faszinationssinn haben heftig gekämpft.  Auch diese Serie habe ich aus meiner Watchlist gestrichen.

Und die Serien, bei denen man mit Mördern sympathisieren soll, werden ständig mehr. In „Hannibal“ sieht man in ekliger Weise wie der Kannibale immer wieder getötete Menschen kunstvoll drapiert hat. In „Bates Motel“ erfahren wir gewissermaßen die Vorgeschichte zu Hitchcocks Klassiker „Psycho“. In „From Dusk Till Dawn“, der Serie, wird der Kinofilm noch einmal erzählt – und man sieht das mordende Brüderpaar bis zu den Geschehnissem im „Titty Twister“ – allerdings auf mehrere Episoden ausgewalzt.

Es gibt ja noch andere Serien und da ich mich ja hauptsächlich für fantastische Stoffe interessiere gibt es noch genug Material, das man noch sichten kann. Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass ich mit anderen vermeintlich guten Serien nicht viel anfangen kann. „Game of Thrones“ ist so ein Fall.

Die Serie um einen wuchtigen Thron, dessen Besitzer über mehrere Königreiche herrschen soll, ist eine Literaturverfilmung und kränkelt darunter, dass es äußerst schwierig ist die zahlreichen Handlungsstränge unterzubringen. Als unbedarfter Zuschauer ist man zunächst überfordert sich die ganzen Namen und Gesichter zu merken. Teilweise sieht man eine Person gerade mal eine Minute in einer Episode. Insider wissen dann, wer das ist, und wieso er gerade zur Burg sowieso reist. Ab und an kommt es dann zu Übergriffen, oft auch zu Sexszenen – und immer werden irgendwelche Schlachten geplant oder politische Heiraten verhandelt. Man muss schon wirklich Fan sein um das Treiben zu verstehen. Wenigstens gibt es einige Figuren, die sich immer wieder als Sympathieträger hervortun. Herausragend (welch ein Wort) ist dabei ausgerechnet der Kleinwüchsige Peter Dinklage, der völlig zurecht für die Rolle Preise bekommen hat. Beeindruckend ist auch der Aufwand, der in die Produktion gesteckt wurde. Ich verfolge die Serie zwar wegen des epischen Ausmaßes – aber auf meiner Beliebtheitsskala rangiert sie eher im unteren Bereich.

TheWalkingDeadPosterEbenfalls eine aktuelle Serie, die ich zwar gucke, mich aber frage, wieso, ist „The Walking Dead“. Nach einer Zombie-Apokalypse versuchen sich die Überlebenden irgendwie durchzuschlagen – im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder treffen sie auf herumwandernde Zombies und hauen die zu Brei und gehen dann irgendwie weiter. Wohin? Keine Ahnung. Warum? Keine Ahnung. Irgendein Ziel hat die Serie nicht – außer Überleben. Und wenn die Serie so erfolgreich ist, dann vor allem deshalb weil die Fans auf die „Zombie-Kills“ warten. Angeblich soll es um die Charakterzeichnung gehen, aber das alleine reicht mir als Motivation für die Serie nicht. „The Walking Dead“ bezieht sich wohl eher auf die Überlebenden, die nach ihrem Ableben sofort selbst zu Zombies werden (und das passiert desöfteren auch mit Sympathiefiguren) – in deutsch ist das Wortspiel wohl als „der schleichende Tod“ zu übersetzen (als Sinnbild für den Zombievirus), nicht etwa „die wandernden Toten“, wie man vermuten könnte.

Früher sind Zombie-Filme indiziert worden und durften wegen des hohen Brutalitätsfaktors gegenüber Menschen nicht im Fernsehen gezeigt werden. Die Zensurbehörden von früher sehen das heute wohl nicht mehr so eng. Heute werden Zombies erschossen, zerhackt, gesprengt, überfahren, zerbröselt…. Ist das toll? Weiß nicht…. Die Serie darf auch in Deutschland, leicht gekürzt, gezeigt werden.

Natürlich gelten all diese Serien als erfolgreich, weil sie so viele Zuschauer haben. Auch scheint man sie in Bewertungsportalen immer gerne positiv zu bewerten – manchmal auch zu kritisieren. Trotzdem wird geguckt. Ich gucke auch noch und frage mich wieder: Warum eigentlich? Es gibt so gut wie keine Handlung, die Zombie-Kills werden langweilig und die Charaktere sind allesamt komplett unsympathisch. Guilty Pleasure nennt man sowas. Gucken, obwohl einen das eigentlich zuwider ist. Mitreden können.

Nein, in den achtziger und neunziger Jahren war die Fernsehwelt noch in Deutschland. Da gab es nette Menschen, die die bösen Buben hinter Gitter brachten. Es gab kaum Streit zwischen den Hauptcharakteren und man hatte immer ein paar lustige Sprüche auf den Lippen. Vielleicht bin ich zu altmodisch und der schroffe Stil so mancher „Erfolgs“-Serie entspricht dem Zeitgeist. Aber für mich soll eine Serienepisode vor allem unterhalten. Die Figuren sollen Vorbildcharakter haben und vor allem Charisma. Das ist etwas, was modernen Produktionen oft fehlt.

Zum Glück gibt es auch Ausnahmen, in denen die handelnden Personen beinahe schon ein altmodisches sympathisches Charisma versprühen. Dabei sind auch die Schauspieler extrem gut und prägen die Serie mit ihrer Präsenz.

castleAls Beispiel nenne ich einmal „Castle“, das dank Nathan Fillion wirklich sehenswert ist. Er hatte schon in „Firefly“ eine gute Präsenz auf dem Bildschirm, was die Fernsehanstalten damals nicht begriffen und die SciFi-Serie nach nur 14 Episoden einstampften. Aber auch „The Mentalist“ ist vor Allem durch Schauspieler Simon Baker sehr sympathisch. Im Bereich Action kann man getrost „24“ hervorheben. Kiefer Sutherland, der ja schon in zahlreichen Kinofilmen brillierte, hat hier die Rolle seines Lebens gefunden und die Fernsehlandschaft geprägt. Auch die Figuren, das Setting und die Machart der Neuauflage von „Hawaii Five-O“ wissen zu gefallen.

Eine Serie, die quasi aus dem Nichts kam, und mich total überraschte war „Orphan Black“. Eine intelligente kanadische Serie, in eine junge Frau entdeckt, dass es von ihr zahlreiche Klone gibt, die alle von einer Organisation überwacht werden. Man kann die schauspielerische Leistung von Tatjana Maslany gar nicht hoch genug einstufen wenn sie teilweise in fünf verschiedenen Rollen gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen ist. Leider wurde sie nun schon zweimal bei den Nominierungen bei den Emmys übergangen.

Es gibt also noch einige Lichtblicke am Fernsehhimmel. Und wenn den Amerikanern nichts mehr einfällt braucht man nur nach Kanada zu schauen. Da hat sich inzwischen eine ernstzunehmende Konkurrenz für das Hollywood-Serieneinerlei entwickelt. Mit „Orphan Black“, aber auch „Continuum“ sind zur Zeit zwei clevere Serien präsent, die sich durch besondere Eigenständigkeit auszeichnet.

Und wer es ganz ausgefallen mag, der gucke „Doctor Who“. Aber das ist eine andere Geschichte.

Orphan-Black

Orphan Black – Viermal Tatjana Maslany Und es gibt noch mehr Klone!