Als Lymphpatient bekommt man Massagen, die die Lymphgefäße anregen sollen, aufgestaute Flüssigkeit freizugeben und in den Blutkreislauf zu entleeren. Danach werden die betroffenen Arme und Beine bandagiert. Einige Binden dienen dem Hautschutz, andere üben einen Druck auf die Haut aus und sorgen dadurch dafür, dass die Lymphflüssigkeit abfließen kann. Gefürchtet wird allerdings die „Mörderbinde“, eine breite, elastische Binde, die mit „Mörderischer“ Kraft ums ganze Bein gewickelt wird.

Langzugbinde

Langzugbinde – Foto: www.hartmann.de

Spätestens ab diesem Moment fühlt man sich wie eine ägyptische Mumie und bekommt einen merkwürdigen Gang. Endlich weiß ich, wieso manche Leute auf der Straße so breitbeinig gehen: Wahrscheinlich hat man auch Ihnen diese Binde angelegt!

Der Sinn dieser Binde ist: sobald man sie angelegt hat will man sich am liebsten nicht mehr setzen weil man sie am wenigsten spürt wenn man geht. Leider haben jedoch die Binden am Oberschenkel die Angewohnheit zu rutschen und sich in die Kniekehle zu graben. Daher ist der Patient abends froh, wenn er sich endlich abwickeln darf. Allerdings müssen sie anschliessend aufgewickelt werden um am nächsten Tag wieder einsatzbereit zu sein. Bei zwanzig Binden kann das dann schon eine Stunde dauern. Es sei denn man benutzt eine der bereitstehenden Wickelmaschinen.

Aber wenngleich die „Mörderbinde“, die offiziell „Langzugbinde straff“ heißt, von allen gehasst wird, so stellt sich schlussendlich dann doch der gewünschte Effekt ein: Der Umfang der Beine (bzw. Arme) verringert sich, je länger man sie trägt. Und deswegen sind wir schließlich hier.

Auf jeden Fall ist es immer wieder ulkig wenn Menschen, die diese Binde tragen, versuchen sich hinzusetzen oder aufzustehen. Da man die Beine kaum noch knicken kann muss man einen Widerstand überwinden bevor man sich setzen kann.