In Ergänzung des letzten Artikels zum Lymphödem möchte ich an dieser Stelle einmal schildern, wie die Therapie aussieht und was bei der manuellen Lymphdrainage passiert. Auch wenn ich dies an anderer Stelle kurz erwähnte, so ist es vielleicht für Andere interessant, etwas detaillierter zu lesen woraus die Therapie besteht.Die Verminderung der Lymphödeme an Armen oder Beinen wird in der Klinik auf zwei Wegen angegangen: Zum Einen ist das die Manuelle LymphDrainage (MLD), zum anderen durch das Wickeln mit diversen Bandagentypen, die die Manuelle Drainage unterstützen.

Der Patient erhält jeden Tag zwei Termine zum „lymphen“. Einen am Vormittag, einen anderen am Nachmittag. In zahlreichen Behandlungszimmer warten speziell geschulte Therapeuten darauf den Patienten von seinen überflüssigen Schwellungen zu befreien. Der Therapeut/Die Therapeutin legt im Anschluss an die Behandlung auch den fachgerechten Verband an und kann dabei auch weitere Hilfsmittel einbeziehen, auf die ich noch näher eingehen werde. Beliebt bei den Patienten sind auch die Doppelbehandlungstermine, wo man statt zweimal 45 Minuten nur einmal für 90 Minuten am Tag behandelt wird. Der Vorteil: Man muss die Binden nicht während des Tages ablegen und für den nächsten Einsatz wieder aufwickeln.

KorbDas Lymphen

Ein Termin sieht so aus: Der Patient kommt mit seinem Körbchen, das die aufgewickelten Binden beinhaltet, in das Behandlungszimmer, in dem eine Behandlungspritsche auf ihn wartet. Zusätzlich zu den Binden hat jeder Patient auch ein Spannbettlaken dabei, das auf die Pritsche gelegt wird. Außerdem hat man ein Laken, mit dem man den Körperteil, der gerade nicht behandelt wird, vor Auskühlung geschützt wird. Bei geöffneten Fenster würde man sonst leicht frieren. Unter das Spannbettlaken kann der Therapeut Keile legen um die Beine höher zu lagern oder eine Kopfstütze unterzubringen.

Nun entledigt man sich seiner Oberbekleidung und legt sich auf die Pritsche. Normalerweise beginnt man in Rückenlage am Vormittagstermin und setzt die Behandlung am Nachmittag in der Bauchlage fort. Bei Doppelbehandlung wird natürlich während der Session gedreht.

Der Therapeut beginnt die Behandlung im Halsbereich, denn hier fließt die Lymphe in den Blutkreislauf. Gut ausgebildete Therapeuten wissen das. Wie ich von einigen Patienten erfuhr scheint es in einigen Praxen nicht bekannt zu sein, dass dieses Vorgehen notwendig ist um den Ablauf der freigesetzten Flüssigkeiten zu gewährleisten. Wundern sie sich also nicht, wenn Sie mal nach Zechlin kommen, wenn der Therapeut am Hals beginnt, dann den Bauchbereich massiert und erst zum Schluss sich erst um die erkrankten Gebiete kümmert. Macht der Therapeut das nämlich nicht, besteht die Gefahr, dass sich die Lymphe einfach in anderen Körperbereichen einlagert, wie zum  Beispiel im Bauchbereich. Wir wollen die Lymphe ja loswerden und nicht einfach umverteilen!

Die Therapeuten massieren also die Bereiche der Körpers, in denen die Lymphgefäßbahnen verlaufen und sorgen so dafür, dass die in den Extremitäten eingelagerten Säfte freie Bahn haben. Ist die Lymphe erst einmal in der Blutbahn, wird sie über die Nieren nochmals gefiltert und an die Blase abgegeben. Daher ist es nicht selten, dass man nach der Behandlung zunächst einmal zur Toilette gehen muss. Ein gutes Zeichen, dass die Behandlung gewirkt hat.

Die Behandlung ist eigentlich sehr angenehm. Da die Lymphgefäße direkt unter der Haut verlaufen reicht es meistens aus einfach die betroffenen Gebiete zu streichen. Im Körper hingegen müssen die Therapeuten schon mal kräftiger zudrücken, da hier die größeren Gefäße eher durch die Mitte des Körpers verlaufen. Mitunter kann es auch kurz wehtun, aber dann kann man seinen Therapeuten auch darauf aufmerksam machen. Der Therapeut kann so die Therapie individuell auf den Patienten abstimmen. Allerdings sollte man diese Therapie nicht mit normalen Massagen verwechseln, die ja eher verspannte Muskeln lösen soll. Für die Lymphdrainage sind völlig andere Griffe notwendig als für eine Muskelentspannung. Man kann sich also auch schaden wenn man einfach nur zur normalen Massage geht.

Bandagieren

BandagenNach der MLD ist es also nun an der Zeit die Bandagen anzulegen. Ich gehe jetzt von den Beinen aus, weil ich nur dort betroffen bin. Aber bei Armlymphödemen wird es nicht viel anders sein:

Der Therapeut zieht zum Schutz der Haut zunächst einen Schlauchverband über das Bein, die sogenannte Stulpe. Dann beginnt er die Zehen zu umwickeln um zu verhindern, dass sich dort Flüssigkeiten ansammeln. Vor dem Verbinden wird nun noch Watte eingesetzt um bestimmte Stellen abzupolstern. Bei mir war es die Oberseite des Überganges vom Fuß zum Bein und in der Kniekehle. Das sind neuralgische Stellen, bei denen sich die Binden gerne in Falten legen und damit die Haut einklemmen können. Es folgen breitere Leinenbinden, im Fachjargon „Idealbinden“ genannt, die dafür sorgen, dass die nächsten Binden nirgends kneifen oder Haut zu Falten aufwerfen. In der nächsten Schicht werden verschieden breite Kurzzug-Binden eingesetzt. Von ihnen geht der eigentliche Druck aus. Die Haut soll unter Druck gesetzt werden damit die Kapillargefäße der Haut besser funktionieren und die Lymphgefäße durch die Muskelkontraktionen zum Weitertransport der Lymphe angeregt werden.

LangzugbindeUnterschenkel und Oberschenkel werden so nach und nach komplett eingekleidet und eigentlich ist das auch kein schlechtes Gefühl. Doch dann kommt die gefürchtete „Mörderbinde“, von der ich schon berichtete, zum Einsatz. Sie soll zwar offiziell nur das Verrutschen der anderen Binden verhindern, wird aber inoffiziell dazu benutzt dass der Patient sich nicht mehr hinsetzen möchte. Denn man soll sich ja bewegen um die Muskelpumpe zu nutzen die Lymphe aus den Gefäßen zu befördern. Also hat der Therapeut mächtig zu zerren um die Beine/Arme noch mals richtig „mörderisch“ unter Druck zu setzen. Und so fühlen sich die Patienten hinterher ein wenig wie das Michelin-Männchen oder eine ägyptische Mumie (ob die alten Pharaonen wohl wegen Lymphödemen so eingewickelt wurden?). Natürlich ist jeder Patient glücklich wenn er sich diese Binde nachmittags bzw. abends wieder abwickeln darf.

Als meine Therapie begann wurden mir zunächst achtzehn Binden verpasst. Doch meine Therapeutin hatte noch ein paar Ideen…. Zunächst stellte sich heraus, dass das Oberschenkelgeflecht an Binden eben doch langsam nach unten bewegt und unangenehmerweise in der Kniekehle ansammelt. Wenn man sich dann hinsetzt kneift es unangenehm ins Fleisch. Ohne dem hätte man die Mörderbinde bzw. die „Langzugbinde straff“, leichter ertragen. Und so bekam ich für jedes Bein noch eine Rolle flachen Schaumstoff gewickelt. Der verhinderte dann schließlich doch, dass die Oberschenkelbespannung an Halt verlor. Von nun an war das Tragen bequemer.

NoppenbindeDa ich an meinen Unterschenkeln, als Folge der Lymphödeme, harte Stellen habe, die sich erfolgreich der MLD wiedersetzten, kam meine Therapeutin auf die Idee ein paar Spezialbinden einzusetzen. Die Binden wurden direkt über der hautschützenden Stulpe über die Unterschenkel gewickelt und sehen ein bisschen so aus wie Luftpolsterfolie. In die Binde sind kleine Schaumstoffpolster eingenäht, die sich sanft in die betroffenen, harten Stellen eindrücken und damit zusätzlich Gewebsflüssigkeit in die Lymphgefäße pressen. Sie funktionierten wirklich und waren für mich kaum spürbar (es scheint Patienten zu geben, die das nicht vertragen). Wenn man diese Binden allerdings abnahm sah die Haut aus, als wollte man zum Eierkarton mutieren. Ich nehme sowas ja immer mit Humor und empfand diese Binden irgendwie sogar als „Scherzartikel“. Immerhin haben sie gewirkt und die harten Stellen aufgeweicht.

Und so war die Zahl der Binden, mit den Schaumstoffpolstern, auf 22 angewachsen. Aber immerhin hat es auch was gebracht.

Noch eines zum aufwickeln der Binden. Im Erdgeschoss und Kellergeschoss der Klinik stehen mehrere Aufwickelmaschinen, wo man zügig die Binden automatisch wickeln kann. Ich habe sie selbst nicht genutzt, weil ich keine Lust hatte mit Bindenknäulen durchs Haus zu laufen um sie dann schneller aufdrehen zu können. Für mich war es einfacher jede Binde, nachdem ich sie von meinem Bein gelöst hatte, direkt manuell aufzuwickeln und neben mir ins Körbchen zu packen. Ich hatte meistens irgendeinen Film auf meinem Tablet-PC laufen während ich wickelte und so verging die Zeit wie im Flug und ich musste nicht mit den unsortierten Haufen quer durchs Haus laufen.

Die manuelle Lymphdrainage und die Bandagierung sind natürlich die Hauptgründe für die Reduzierung der Ödeme. Wichtig sind aber außerdem die richtige Ernährung und Bewegung. Außerdem soll man sich nach dem Ablegen der Binden und der Dusche auch noch die Haut mit einem Pflegemittel einreiben. Am besten Abends, denn am Morgen soll man ja zur Therapie und bekommt die Bandagen verpasst. Da würde eine Creme stören, bzw die Binden verschmutzen.

Während des Klinikaufenthaltes bekommt man Kompressionsstrümpfe angepasst, die dann zuhause die Bandagen ersetzen sollen. Aber das ist eine andere Geschichte…..