Bei meiner Ankunft in Neuruppin wurde ich freundlich vom Fahrer der Seeklinik begrüßt und in einer etwa zwanzigminütigen Fahrt zum Dorf  Zechlin befördert. Der Ort ist etwas abgelegen, liegt aber in einer reizvollen hügeligen Gegend am Braminsee. Die Klinik ist das letzte Haus an der Straße und liegt direkt am See. Auf der Fahrt konnte ich anhand meiner Hobby-Geologiekenntnisse schon gut erkennen, dass Gletscher diese Gegend geformt hatten. Moränen, Toteisseen und Schmelzwasserabflüsse wohin man sieht. Die Gegend ist stark bewaldet und manchmal sind die Kerben in der Landschaft so tief, dass die darin wachsenden Bäume nur noch mit ihrem Wipfel herausragen. Eine urige Landschaft.

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Als unser Bus auf das Gelände der Klinik fuhr wurde ich von zahlreichen Gästen begutachtet. Bei dem guten Wetter hatten sich einige mit ihren Rollatoren rausgewagt, Andere hatten sich auf die Bänke verteilt und sahen interessiert zu wie ich mich aus dem Wagen schälte. Die Klinik macht von außen einen sehr freundlichen, einladenden Eindruck und der Fahrer zeigte mir den Weg zur Rezeption.

Eine freundliche Dame überreichte mir meinen Zimmerschlûssel und wies mich an auf die Hausdame zu warten, die mich dann schon mal über einige Örtlichkeiten informieren sollte und mich auf das Zimmer bringen sollte. Da die Dame wohl gerade unabbkömmlich war schickte man mich jedoch zunächst einmal in das Restaurant, wo ich einen Teller Gulasch mit Rotkohl serviert bekam. Das Zimmer erwies sich als komfortabel und hell. Man hat zwar keinen Seeblick, dafür sieht man aber in einen kleinen Park mit Wanderwegen und den Parkplatz dahinter. Auf jeden Fall war das Zimmer sehr ruhig und man musste auch nicht befürchten dass man durch abfahrende oder ankommende Autos gestört wurde.

Klinikheft150Mein zuständiger Doktor ist gebürtiger Pole, hat in Dänemark studiert und ist nun Assistenzarzt. Ich hatte Schwierigkeiten ihn zu verstehen, da er die deutsche Sprache noch nicht vollends beherrscht. Den Namen muss ich mir jedenfalls noch irgendwie merken. Zum Glück wurde mir ein kleines Heftchen, das sogenannte „Klinikheft“, überreicht, in dem der Name von Doktor Korczakowski vermerkt ist.

Mein erster Termin war also die Visite bei ihm und diente dem Kennenlernen, einer gründlichen Untersuchung und dem Festlegen der Therapie. Doktor Korcz… (ahem) fragte mich mithilfe eines Vordrucks ab und trug alle Daten in die vorgesehenen  Zeilen ein. Dann markierte er die Vorträge und Behandlungen im Klinikheft, die ihm wichtig erschienen, mit einem Textmarker. Er sah außerdem Hockergymnastik und Rückengymnastik vor und händigte mir dann das Klinikheft aus, das von nun an mein ständiger Begleiter werden soll.

Doch all diese Dinge dienen nur dazu die Therapie zu unterstützen. Wichtiger sind die manuelle Lymphdrainage und das Anlegen von Kompressionsverbänden. Doch diese Termine legen die Schwestern und Therapeuten fest. Es stehen außerdem noch weitere Untersuchungen an. Zunächst einmal galt es meinen Blutdruck und das Anfangsgewicht festzustellen. 145 Komma irgendwas Kilo. Etwas weniger als zuhause, aber nach der stressigen Anreise kein Wunder.

Nun konnte ich erstmal entspannen. Um 17:30 Uhr war Abendbrotzeit und man hatte mir beim Mittagessen einen Tisch zugewiesen, an dem ich nun Platz nehmen durfte. Ich wurde von fünf Augenpaaren gemustert und gleich nett angesprochen. So fühlte ich mich gleich wohl. Auf jedem Platz steht ein kleines Namensschild und ein Vermerk wieviele Kalorien jeder Gast am Tag zu sich nehmen darf. Auf meinem Schild steht 1000 KCal. Na, wenn ich da mal mit auskomme…. hahaha….