Das fachgerechte Wickeln von Beinen oder Armen mit Kompressionsbinden ist alleine schwerlich möglich. Deshalb sind hier die Therapeuten gefragt, die dem Patienten die Binden kompetent anlegen. Doch was passiert nach dem Reha-Aufenthalt? Dann sollen die Patienten maßgeschneiderte Kompressionsstrümpfe tragen, die die Binden ersetzen. Doch zunächst muss das Sanitätshaus natürlich erstmal richtig maßnehmen.

Der BestrumpfungsvortragKompressionsstrümpfe_250

Im Klinikheft wurde bei mir bereits bei meiner ersten Visite der Punkt „Bestrumpfungsvortrag“ gelb gemarkert. Einmal pro Woche kommt dazu eine Mitarbeiterin des Sanitätshauses in den Schulungsraum und informiert die Patienten über die Bestrumpfung und die Hilfsmittel, die das Haus anbietet. Es werden verschiedene Hersteller für Strümpfe vorgestellt und Muster mit den erhältlichen Farben und Qualitäten herumgereicht. Außerdem bekommt man Anziehhilfen zu Gesicht, die dem Patienten helfen sollen die Strümpfe leichter anzulegen.

Mein Interesse galt gleich einem Strumpf, der im Kniebereich mit einem anderen Material versehen ist, das sich leichter dehnt. In meinen Jugendjahren hatte ich schon einmal die Ehre Kompressionsstrümpfe zu tragen, die sich allerdings immer vom Oberschenkel abrollten und sich schmerzhaft in der Kniekehle sammelten. Ich hoffe, dass ein Strumpf mit diesem Materialmix keinen Zug auf die Oberschenkelpartie ausübt damit der Stoff in Position bleibt.

Netterweise gibt es inzwischen auch Strümpfe in verschiedenen Farben. In den Siebziger Jahren bekam man leider nur sogenannte „hautfarbene“ Materialien – also eher braune Dinger, die man zehn Meilen gegen den Wind als orthopädische Strümpfe erkennen konnte. Ich entschied mich also gleich für schwarz (oder blau) als Farbe. So kann man auch auf dekorative Überstrümpfe verzichten.

Strümpfe nach Maß

NeuesHausAls nächstes stand das Vermessen der Beine auf dem Programm. Man begibt sich dazu also in das neue Haus, in dessen Untergeschoss das Sanitätshaus Schaub eine Filiale unterhält. Eine nette Mitarbeiterin begann nun meine Beine, aber auch den Bauch zu vermessen, denn mein Arzt hatte mir, neben den Strümpfen, auch eine sogenannte „Bermuda“-Hose verschrieben. Da sich die Lymphflüssigkeit gerne auch mal im Bauchbereich ansammelt sollte hier also auch ein gewissser Druck aufgebaut werden damit die Lymphe aus dem Bauchbereich besser abfließen kann.

Die Vermessung der Beine nahm etwa zehn Minuten in Anspruch. Mit diesen Daten bewaffnet konnte das Sanitätshaus dann den Auftrag für den „Flachstrick-Strumpf“ Klasse 2 in schwarz mit Nähten an das befreundete Unternehmen geben. Bereits vier Tage später sollte das Werk fertig sein und man trug mir für den Freitag einen Termin zur Anprobe in das Klinikheft ein.
Natürlich hatte ich meine Krankenkassenkarte vergessen und durfte nochmal zum Haupthaus laufen um die Karte zu holen. Dann aber wurde der Auftrag abgeschickt und ich freute mich schon auf den Tag wenn man endlich statt des nervigen Wickelns sich nur noch mit zwei Strümpfen und der Bermudahose abgeben musste.

Anprobe

Tatsächlich waren meine Strümpfe am Freitag fertig. Der Stoff fühlt sich ein wenig steif an, aber ich wusste ja von früher,  dass sie sich am Bein später toll anschmiegen würden. Unter den kritischen Blicken einer Mitarbeiterin versuchte ich mich also in die Strümpfe zu zwängen. Sie war ein wenig ungeduldig als ich nicht gleich flüssig in Beinbekleidung schlüpfte. Ich gebe zu, dass ich ein wenig hysterisch war. Sie half mir zwar ein wenig, aber es dauerte doch recht lange bis die Strümpfe richtig positioniert waren. Die Bermudahose war dagegen einfacher anzulegen. Sie geht mir bis unter die Brust und ich fragte mich ernsthaft wie ich wohl damit menschlichen Bedürfnissen nachgehen soll…

Immerhin, die Kleidungsstücke fühlten sich sehr gut an und ich wollte sie eigentlich gar nicht mehr ausziehen. Welch eine Wohltat gegenüber zwanzig Binden! Und auch das Aufwickeln kann man sich dabei sparen! Mir wurde eine Probepackung eines Waschmittels mitgegeben und ich wurde instruiert die Strümpfe kurz durchzuwaschen bevor ich sie das erste Mal richtig trage. Also gut, das bekomme ich auch noch hin.

Wichtig! Die Zweitbestrumpfung

Doch zunächst sollte ich  mich zu unserem Chefarzt begeben, der den Sitz der Strümpfe kontrollieren sollte, denn die Krankenkasse würde die Kosten nur übernehmen wenn alles in Ordnung sei. Zum Glück konnte ich mich gleich bei Doktor Klare vorstellen. Er gab sein OK und trug in mein Klinikheft auch ein, dass ich eine Zweitbestrumpfung verschrieben bekomme.

Normalerweise bezahlen die Krankenkassen eine Bestrumpfung nur für ein Paar. Allerdings soll man die Strümpfe auch häufig waschen. Da man für die Wäsche und das Trocknen ja auch mindestens einen Tag einrechnen muss würde man bei nur einem Strumpfpaar einen Tag ohne Kompressionsstrümpfe herumlaufen. Daher verschreibt Doktor Klare auch eine Zweitbestrumpfung als Erstausstattung. Komischerweise stellen sich einige Krankenkassen ziehmlich an und verweigern die Zahlung für den zweiten Satz. Sollte man eine Ablehnung erhalten, so erfuhren wir in einem Vortrag, sollen wir sofort Einspruch erheben und die Zweitbestrumpfung aus hygienischen Gründen einfordern. Meistens wird dann dem zweiten Paar stattgegeben.

Der Abschluss

Am Wochenende brauchte ich mich beim Wickelnotdienst nicht vorzustellen. Wenn man seine Bestrumpfung erhalten hat soll man am Wochenende damit herumlaufen um eventuelle Probleme festzustellen. Ich hatte keine Probleme und konnte im Sanitätshaus am Montag melden, dass keine Änderungen notwendig wären. Und so konnte man den Vorgang für mich abschließen indem man noch die Zweitbestrumpfung bestellte. Ich durfte mir sogar noch überlegen, ob ich dafür eine andere Farbe wünschte. Um die Paare besser unterscheiden zu können entschied ich mich daher für ein dunkles Blau. Wenn die Krankenkasse sich nicht sträubt werde ich mein Wechselpaar dann in ein wenigen Wochen zuhause in Empfang nehmen dürfen.

Nachsatz

Man riet mir noch mich mit Gummihandschuhen mit Noppen zu versorgen. Damit ist es leichter die Strümpfe zu greifen und hochzuziehen. Das kann ich nur bestätigen. Außerdem verhindert man dann, dass sich spitze Fingernägel in das Gewebe bohren und für Laufmaschen sorgen.

Hospitalbutler_250Zum Thema Anziehhilfe: Wer ein wenig Probleme hat sich zu bücken und das wenig elastische Material über die Füße zu ziehen, der sollte sich eine Anziehhilfe besorgen. Es gibt zwei Systeme: Zum Einen eine Art Segeltuch, das man in den Strumpf einlegt und über damit über den Fuß gleiten lässt. Für Einige ist das relativ angenehm. Ich persönlich favorisiere jedoch ein Drahtgestell, über das der Strumpf gezogen wird. Man tritt dann einfach hinein und zieht das Gestell an Griffen zu sich heran und wickelt den Strumpf über den Schenkel ab. Allerdings sollte man, gerade bei dickeren Unterschenkeln, darauf achten ein Gestell mit WEITEM Inlet zu kaufen. Viele im Handel angebotenen Hilfen sind für schlankere Fesseln ausgelegt und sind für den größeren Knöchelumfang nicht geeignet.

Aber die Preise liegen im Internet bei 20 Euro und sind daher nicht so teuer. Ich hatte ein solches Gestell schon damals im Einsatz. Allerdings werde ich wohl doch ein Neues kaufen müssen, da ich nun eher breitere Unterschenkel habe als in jungen Jahren.

Auf jeden Fall sind Kompressionsstrümpfe wesentlich angenehmer zu tragen als Binden und man kann sich so herrlich einfach Kühlung verschaffen wenn man im Sommer schwitzt. Einfach mit einer Sprühflasche etwas Wasser auf die Schenkel spritzen. Wenn die Flüssigkeit dann verdampft hat man herrlich kühle Waden…..

Bildnachweis: Alle Bilder WIKIPEDIA